Kematen in Tirol, Pfarrkirche SS. Viktor u. Magdalena


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Geschichtliches:

Das erste Instrument der Kirche war ein tragbares "kleines Örgele" mit fünf Registern, das die Innsbrucker Servitinnen aus ihrem 1782 aufgehobenen Kloster nach Kematen mitbrachten und später an die damalige Kuratiekirche verkauften. Es wurde 1830 von der Kuratie Unterperfuss erworben.

Die heutige Orgel war das erste in eigener Regie erstellte Instrument von Franz (I) Reinisch. Beim Bau war sein jüngerer Bruder Andreas beteiligt. Am 2. November 1830 wurde der Neubau-Vertrag um den Preis von 725 fl Reichswährung abgeschlossen. Am 8. November 1831 fand die Kollaudierung statt. Kanonikus Gregor Zacher von Wilten und der Innsbrucker Orgel- und Instrumentenmacher Johann Georg Gröber gaben ihre "Meinung" über die neue Orgel dahingehend ab, dass "dieses Werk den Kontrakte gemäs hergestellt, und zur Zufriedenheit ausgefallen seye, daher sie auch den beiden Brüdern das Zeugnis wohlverständiger Orgelbauer abgeben". Die Baukosten wurden von "Gutthätern" bestritten, nachdem man sich auf einen Abzug von 48 fl R.W. geeinigt hatte, weil der Werkführer Peter Hörtnagl und der Organist Victor Prunner behaupteten, dem Zinn für die Metallpfeifen sei kontraktwidrig zu viel Blei beigemengt worden.

Zu einem unbekannten Zeitpunkt erneuerte Franz Weber die Pedalwindlade sowie einige Register (Bordun 8', Posaune 8', Mixturbass, Quintbass), wobei es ihm offenbar darum ging, eine größere Klangfülle und ein gravitätischeres Klangfundament zu erreichen.

Am 1. Februar 1918 baute Karl Reinisch die für Kriegszwecke requirierten Prospektpfeifen des Hauptwerks im Gewicht von 49 kg aus. Er ersetzte sie im Jahre 1927 durch Zinkpfeifen. Bei dieser Gelegenheit baute er in das Hauptwerk eine neue Gamba 8' ein; diese trat an die Stelle der Superoctav 2', die ihrerseits das Cornett verdrängte.

Im Jahre 1936 führte die Firma Karl Reinisch's Erben einen eingreifenden Umbau durch: Spieltraktur und Registerbetätigung wurden pneumatisch eingerichtet und die Orgel erhielt einen seitlich aufgestellten Spieltisch mit Registerwippen. Das Pedal, das vorher 13 Töne (repetierend) und 22 Tasten aufwies, wurde durch Zubauten auf 27 Töne erweitert. Die Disposition erfuhr durch Austausch mehrerer Register weitere Veränderungen. Im Kollaudierungsbericht ist zu lesen: "Die Orgel ist eine Barockorgel geworden."

1959/60 baute die gleiche Firma in das vorhandene Spieltischgehäuse einen neuen mechanischen Spieltisch mit Registerzügen ein, nun mit Blick zum Altar vor die Orgel gesetzt; die Pedaltraktur blieb pneumatisch. Wiederum erfolgten einige Dispositionsänderungen.

All diesen Eingriffen zum Trotz hatte sich in der Orgel aber noch so viel historische Substanz aus dem 19. Jahrhundert erhalten, dass nach genauer Sichtung und Analyse des vorhandenen Bestands eine Restaurierung nach denkmalpflegerischen Grundsätzen möglich erschien. In 15 Registern fanden sich Pfeifen aus insgesamt 18 Registern in unterschiedlicher Anzahl, die auf Reinisch oder Weber zurückgingen. Mithin bot sich als Richtpunkt für die restauratorischen Arbeiten der Zustand nach den Arbeiten Franz Webers an. Lediglich die Posaune 8' und das Flageolet 2' (dessen Schleife schon seit längerer Zeit stillgelegt war) mussten (nach Weber- bzw. Reinisch-Muster) völlig neu gefertigt werden; hinzu kam die Erneuerung der Traktur und die Wiederherstellung der Spielnische. Die seitlichen Öffnungen des Oberbaus sind jetzt wieder mit den für Franz (I) Reinisch charakteristischen Leinwandfüllungen in Rahmen versehen. Die Orgelbauwerkstatt Wolfgang Bodem aus Leopoldsdorf bei Wien führte diese Arbeiten 2006-07 durch. Das stattliche Instrument mit 20 Registern ist nach erfolgter Restaurierung als Reinisch-Weber-Orgel anzusprechen.

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