Reinisch, Joseph


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Geb. 6. Sept. 1776 in Gries a. Br., gest. 15. Dez. 1848 ebd. Der Stammvater der Orgelbauer-Dynastie Reinisch war von Haus aus Tischler. Er erwarb 1807 das Anwesen von Franz (II) Fuchs samt Landwirtschaft und arbeitete zeitweilig mit Fuchs zusammen. Vielseitig begabt, baute er auch Altäre und andere Kirchen-Einrichtungsgegenstände.

Werke (Auswahl):
Obernberg, 1821 (I/13) · Außerpfitsch, 1825 (I/11) · Wiesen b. Sterzing, 1826 (I/8) · Götzens, 1830 (Rückpositiv 1831; II/20) · Schmirn, 1831 (I/12) · St. Jodok, Akkord 1831 (I/10) · Gries a. Br., 1833-37 (zugleich Altäre, Kanzel, Beichtstühle) · Vinaders, 1834 (II/17; auch zahlreiche Kirchen-Einrichtungsgegenstände) · Telfes b. Sterzing, 1838 (I/5).

Die Orgel für Außerpfitsch erstellte er zusammen mit seinen Söhnen Franz (I) Xaver, Andreas und Thomas (geb. 20. Dez. 1805 in Gries, gest. 21. Sept. 1837 in Steinach), die auch als Mitarbeiter beim Bau der Orgel von Götzens genannt sind.

Um 1831/32 kam es im Hause Reinisch zu einer Spaltung zwischen dem Vater und den Söhnen. Ein Umbau der Orgel von Axams, für den Joseph Reinisch im Herbst 1830 ein Angebot eingereicht hatte, wurde im Jahre 1832 von den Söhnen Franz, Andreas und Thomas ausgeführt. Joseph Reinisch war zwar weiterhin als Orgelbauer tätig, die Aktivitäten gingen jedoch allmählich auf seinen Sohn Johann Benedikt über.

Die Prospekte der Orgeln von Joseph Reinisch sind durch eine Mitteleinsenkung charakterisiert. Je nachdem, ob das Mittelfeld durch eine Lisene geteilt wird oder nicht, ergibt sich eine gerade oder eine ungerade Achsenzahl. Die Orgeln von Wiesen, Obernberg und St. Jodok verkörpern einen kleineren Typ (drei- bzw. vierachsig) mit Einsenkung zwischen zwei nach innen ansteigenden Harfenfeldern. Einem ähnlichen Prinzip folgen die Rückpositive der zweimanualigen Orgeln. Der Prospekt von Schmirn ist durch Anfügen kleinerer Außenfelder, die nach innen ansteigen, zur Sechsachsigkeit ausgeweitet. Bei den Hauptprospekten von Götzens und Gries a. Br. ergibt sich durch eingefügte Zwischenfelder Sieben- bzw. Achtachsigkeit.
Interessant ist die unterschiedliche Gestaltung der tiefen Oktave bei den Klaviaturen der Orgeln von Joseph Reinisch mit ihrem Schwanken zwischen Herkommen und Modernität. Die vollchromatischen Klaviaturen der Orgel von Götzens (1830-31) zeigen, dass er bei diesem Instrument auf der Höhe der Zeit stehen wollte. 1834 baute er jedoch in Vinaders eine Orgel, deren Pedal lediglich 16 Tasten und 13 Töne (chromatisch; D, E und F repetierend; Tastenbild der gebrochenen tiefen Oktave mit doppelten Obertasten D/Fis und E/Gis) aufwies. In Manual und Pedal der Orgel von Obernberg und im Pedal der Orgel von Schmirn ist die äußerst selten gewordene gebrochene erste Oktave bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben.

Literatur:
Konrad Egg, Josef Reinisch (1776-1848). In: Tiroler Heimatblätter 6, 1928, 374-378.
Weitere Literatur: siehe Reinisch, Familie